Schwarz ist das neue Bunt

Was sind künftige Farbtrends für Marken? Schwarz in Kombination mit einem akzentuiertem Farbeinsatz wird immer beliebter. Aus guten Gründen.

Animation der Corporate Farben von mangler+noller

Als der Art Directors Club Deutschland (ADC) im Herbst 2018 seine neue Corporate Identity präsentierte, hat er viele überrascht. Dem ADC gehören aktuell rund 700 namhafte Personen aus der Kommunikationsbranche an. Bisher dominierte ein kräftiges Pink als Hauptfarbe das visuelle Erscheinungsbild. Nun: schwarz-weiße Schlichtheit. Ein Trend, der sich bei immer mehr Marken zeigt.

 

Die Wiedererkennbarkeit von Farben

Menschen verbinden Marken automatisch mit Farben. Ein TV-Spot mit viel Magenta? Typisch Telekom. Ein brauner Kastenwagen, aus dem ein Paketbote steigt? UPS! Rotes Elektrowerkzeug? Hilti, wer sonst. Selbst in der automatisierten Produktion von Industrie 4.0 gibt es Beispiele wie die orangefarbenen Roboter von Kuka. Große Marken schaffen das. Doch auch wenn es im RGB-Farbraum theoretisch 16,7 Millionen unterschiedliche Farben gibt, gelingt es nur wenigen Marken, tatsächlich eine Farbe für sich zu besetzen.

 

Farben und ihre psychologische Wirkung

Farben bieten eine ganz intuitive und fast schon naturgesetzliche Orientierung. Blau wirkt beruhigend, weckt Vertrauen und ist damit die ideale Farbe, um Professionalität zu vermitteln. Rot hat Signalwirkung und aktiviert. Wer hingegen Grün als Markenfarbe nutzt, spielt oft mit Assoziationen wie organisch, naturnah oder nachhaltig. Bestimmte Farben erzeugen bestimmte Stimmungen und Gefühle – und Marken nutzen diese psychologischen Effekte in ihrem Corporate Design. Kanzleien mit knalligem Rot als Primärfarbe gibt es nur wenige – mit gedeckten Farbtönen von Blau über Grau bis Schwarz demgegenüber unzählige.

Aber auch die Farbwahrnehmung geht mit der Zeit. Nicht umsonst hören wir ständig von neuen Saison- oder Trendfarben. Das einst angesagte Lila wurde von Petrol und Koralle abgelöst.

Auffällig: Manche Brands setzen heute nicht mehr nur auf zwei oder drei Farben, sondern nutzen eine beinahe endlose Farbvielfalt. So haben Dropbox, Merck oder Bosch für jeden Anlass das passende Farbspektrum zur Hand, mit dem sie eine gewünschte Wirkung erzielen.

 

Stichwort: universell im Einsatz

Im Zuge der Digitalisierung und einer einhergehenden Explosion an Touchpoints und verschiedensten Devices muss ein Markenlogo in allen erdenklichen Kontexten funktionieren. Ob klein oder groß, ob auf digitalem LED-Screen, Smartwatch oder der Visitenkarte, ob dunkler oder heller Hintergrund. Nur ein Zeichen, das universell einsetzbar ist, ist ein gutes. Daher werden Logos tendenziell ohne vorab definierte Farben konzipiert. Was zählt ist die Wirkung – unabhängig von der jeweiligen Farbgebung.

„Ein Logo ist dann gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann.“

Kurt Weidemann, Typograf und Gestalter

Diese Entwicklung bringt Logos und Signets wieder zurück zu ihren Ursprüngen: durch Reduktion zur maximalen Wiedererkennbarkeit und Aussagekraft der Form. Wie der Lufthansa-Kranich, der seit rund 100 Jahren unverwechselbar das Markenbild prägt. Und spätestens wenn wir das ikonische IKEA-Logo in Weiß und Transparent sehen, nicht im typischen Gelb und Blau, zeigt uns das, wie flexibel Logos heutzutage im Einsatz sind.

 

Der Trend geht zu Schwarz

Immer mehr Marken entdecken Schwarz als Farbe. Mit Schwarz werden Begriffe wie Funktionalität, Klarheit, Eleganz und Qualität verbunden. Werte, die vor allem in einem globalen Technologiezeitalter begehrt sind. Apple, einst mit Regenbogen-Apfel und bunten Geräten, war einer der Pioniere dieser Designbewegung. Ihre Kommunikation wurde puristischer, die Geräte wertiger und edler. Im Laufe der Zeit entwickelte sich so eine starke Designsprache bei minimalem Farb- und Formeinsatz.

Der Telefonieanbieter sipgate, über den wir in unserem CXI_19-Artikel berichteten, nutzt beispielsweise ein eher minimalistisches Farbspektrum. Die Dachmarke verwendet nur Schwarz, Grauabstufungen und Weiß. Alleine optisch besetzen sie so Eigenschaften wie „technologisch“, „hochwertig“, „klar“ oder „modern“. Im Fall von sipgate erhielt zudem jeder Dienst eine exklusive Signalfarbe. Das Ziel: die Dienste visuell voneinander abgrenzen und dem Kunden damit Orientierung bieten.

Auch wir setzen in unserem neuen Corporate Design vor allem auf Schwarz und Weiß. Mit Grün als weitere Hauptfarbe geben wir unserer Marke einen definierten Charakter und setzen gezielt und sparsam Sekundärfarben wie Himbeerrot und Ultramarin ein.

Klar ist, jede Marke hat ihren ganz eigenen Charakter, an dem sich das jeweilige Corporate Design orientieren muss, um authentisch aufzutreten. Fakt ist aber auch, dass Marken ihr Design zunehmend flexibler gestalten müssen, damit ihre Kommunikation auf allen Touchpoints funktioniert und wirkt. Dieses Spannungsfeld wird auch in Zukunft Marken und ihre Farbwelt-Entscheidungen begleiten.

Kommentare

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Mit einem * markierte Felder sind Pflichtfelder

Weitere Artikel

Brand Expert Esther Mangler

The Bridge to Brands

Esther lebt und liebt Marke. Worauf es bei guter Markenarbeit ankommt und wie eine nachhaltige Markenbindung gelingt? Das erklärt sie in unserem Blog!

Mann fährt auf E-Scooter

Die E-Scooter Revolution

Die Art unserer Fortbewegung ändert sich nicht über Nacht, weil der Mensch gerne an Altbewährtem festhält? Junge E-Scooter-Marken beweisen aktuell das Gegenteil und zeigen, wie Mobilität in Großstädten auch funktionieren kann. Sie sind dabei kleine Wunder der Agilität.

Template file
typo3conf/ext/mn_sitepackage/Resources/Private/Templates/Page/Default.html
Backend Configuration
typo3conf/ext/mn_sitepackage/Configuration/TsConfig/Page/Mod/WebLayout/BackendLayouts/default.tsconfig