Schnelle Sprints, viel Feedback

Wie sehen Kommunikationsprojekte im öffentlichen Raum aus, die Digitales und Analoges vereinen? Um diese Frage drehte sich alles beim Sommercamp der Schader-Stiftung. Entstanden sind vier Ideen – auch dank einer konsequenten Feedback-Kultur.

Gruppe wird auf dem Darmstädter Theaterplatz herumgeführt

Wie kommunizieren Menschen in öffentlichen Plätzen, Parks oder Innenstädten miteinander? Wie kommen sie in Kontakt? Und welche Rolle hat heute das Digitale bei physischen Begegnungen? Unter dem Motto „Echt kommunikativ? Analoge und digitale Begegnungen im öffentlichen Raum“ hat die Darmstädter Schader-Stiftung ein Sommercamp organisiert. Die Stiftung fördert die Kommunikation und Kooperation zwischen den Gesellschaftswissenschaften und der Praxis. Zwanzig interdisziplinäre Teilnehmer*innen – aus Architektur, Design, Stadtentwicklung, Soziologie, Geographie und Kommunikation – haben sich vier Tage lang in einem Workshop-Format mit den oben aufgeworfenen Fragen auseinandergesetzt. Unser Copywriter Christian war dabei.

 

Kritik und Feedback in Dauerschleife

Am Anfang stand die Einarbeitung ins Thema – begleitet von Diskussionen, Vorträgen und Live-Eindrücken. In vier Gruppen wurden erste Ideen anhand des „Why? How? What?“-Prinzips entwickelt und nach wenigen Stunden – im Anfangsstadium der Entwicklung – bereits einer größeren Runde präsentiert. Zuhörer waren unter anderem sogenannte Speed-Consultants, unter anderem ein Pressesprecher, ein Startup-Gründer, eine Architektin und ein IT-Spezialist, die unsere Ideen auseinander nehmen durften und so den Gruppen jeweils aus ihrer Sicht Verbesserungspotenziale aufzeigten. Mit diesem Feedback galt es, sich kritisch auseinanderzusetzen, das Projekt neu zu denken und weiterzuentwickeln. Mehrere kurze Impulsvorträge sorgten zudem für neue Anregungen und ermutigten zu radikalerem Denken.

Christian erklärt, während Judith die Idee skizziert
Gruppe präsentiert Idee Nummer 1

Damit sich die unzähligen Post-it-Zettel, Gedanken und Aufschriebe in den Gruppen zu einem gemeinsam gedachten und stringenten Konzept formen konnten, gab es am Tag vor der finalen Präsentation noch eine umfangreiche Feedback-Runde. Die internen Sommercamp-Betreuer*innen brachten dabei ihr spezifisches Wissen und eigene Perspektiven aus den Disziplinen Architektur, Bildung, Soziologie und Stadtplanung ein. Der Austausch führte dabei zu immer klareren, originelleren und gleichzeitig ausgefeilten Entwürfen, bis diese nach einer langen Samstagnacht und stetiger Verdichtung in eine 15 Minuten-Präsentation mündeten und sonntags einem öffentlichen Publikum präsentiert wurden. Entstanden sind vier Projektideen, die Kommunikation im öffentlichen Raum jeweils aus einer ganz eigenen Perspektive denken.

Idee 1: Das Fenster zum Hof

Wie lassen sich fremde Kulturen entdecken und das Leben vor Ort erfahren, ohne um die halbe Welt zu reisen? Wie kommen zwei einander fremde Menschen zufällig und spontan zusammen? Eine digitale Leinwand, mehrere Meter breit und hoch, wird auf einem öffentlichen Platz installiert. Davor ein Tisch mit Stühlen. Dasselbe passiert an einem anderen Ort auf der Welt. Über Kamera und Screen, Mikrofone und Lautsprecher werden diese Orte direkt miteinander verbunden – 24/7. Leute können sich an den Tisch setzen, dort reden, essen und wie durch ein Fenster in eine andere Region blicken. Die Vision: den interkulturellen Austausch fördern und die Welt enger zusammenbringen.

Idee 2: Eine UFO-Landung – mitten in der Stadt

Das Problem heutiger Stadtentwicklung sind einseitige, technologiezentrierte Visionen und Perspektiven. Narrative davon, was Stadt bedeutet und wie sie in Zukunft aussehen könnte, sind ähnlich, wenig überraschend und nicht-repräsentativ. So die These. Mit dem UFO – einem unerwarteten Forschungs-Objekt – soll sich das ändern. Hier kommen Alt und Jung zusammen, lernen über die Geschichte der jeweiligen Stadt und entwickeln Ideen für das künftige Leben und Spielen. So entstehen neue Szenarien, die im UFO ausgestellt und diskutiert werden. Das Ziel: unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen aktiv in die Stadtentwicklung einbeziehen und so verschiedenste Zukunftsentwürfe und Visionen sichtbar machen.

Idee 3: Digitale Anfragen, analoge Antworten

Den ersten Schritt wagen und auf fremde Leute zuzugehen ist im realen Leben gar nicht so einfach. Im Dating-Alltag erleichtern uns Apps den Erstkontakt. Aber wie finde ich auf einem öffentlichen Platz jemanden, der mit mir eine Runde Schach spielen oder tanzen möchte? Indem man seine Anfrage via Smartphone auf einen Screen überträgt – für alle gut sichtbar und mit dem eigenen Standort verknüpft. So finden Angebot und Nachfrage im physischen Raum zusammen. Und das Doppelkopfspiel westlich der Alten Linde muss nicht an einer fehlenden Person scheitern.

Idee 4: Ein Bauwagen, der Bürger zum Handeln ermutigt

Viele Menschen haben Lust, sich zu engagieren – ob beim Urban Gardening oder im Kampf gegen innerstädtische Hitzeinseln. Wissen und Lösungen sind sowohl digital als auch durch lokale Fachleute vorhanden. Einzig der Impuls anzufangen und sich zu organisieren fehlt. Die „Fliegende Baumeisterei“ kommt mit einem Bauwagen dort hin, wo die Bevölkerung Probleme und Potenziale sieht. Sie unterstützt mit Expertise, digital wie analog, und einer Werkstatt, in der praktisches handwerkliches Wissen weitergegeben wird. Die Bevölkerung soll so themenspezifisch zusammen kommen, Maßnahmen entwickeln und diese dann gemeinsam vor Ort umsetzen.

Es gibt viele Arten, wie man Kommunikation im öffentlichen Raum verstehen kann. Das wurde in den vier Tagen in Darmstadt klar. Die Workshop-Arbeit zeigte aber vor allem, wie externe Impulse und Feedback bestehende Ideen in kurzer Zeit weit voranbringen können. Schnelle Sprints und kurze Feedback-Runden waren das Herzstück der Projektarbeit. Dabei unterstützten sie auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und brachten immer wieder unterschiedliche Ansichten unter einen Hut. Unser Fazit nach vier Tagen: Eine intensive Feedback-Kultur lohnt sich immer.

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