Dauerbrenner Digitale Transformation: Austausch ist auch ein Anfang

Der Wandel zwingt nicht nur globale Konzerne, sondern auch den Mittelstand zur Transformation. Doch wie geht das und wo fängt man an? Der Digital Future Congress bietet eine Plattform zum Austausch und zur Orientierung. Ob’s hilft?

Digitale Transformation bringt Mensch und Maschine näher zusammen

Digitale Transformation – einige sind schon mittendrin, andere denken noch darüber nach. Auch wenn die Relevanz des Themas inzwischen erkannt ist – die Verunsicherung über die richtige Strategie ist groß. Unternehmen, die es sich leisten können, schicken ihre Manager auf Bildungsreise ins Silicon Valley, um sich vor Ort ein Bild zu machen und zu lernen. Vielen anderen, vor allem kleinen und mittelständischen Betrieben, denen es an entsprechenden Ressourcen fehlt, hilft nur Einsicht gepaart mit Eigeninitiative. Und so gibt es einen großen Informations- und Austauschbedarf zu allem, was den digitalen Wandel betrifft.

Am 14. Februar nahm sich der Digital Future Congress in Frankfurt erneut den vielen Fragen rund um die Digitalisierung von Unternehmen und IT-Management an. Wir waren dort, haben uns umgeschaut und vor allem umgehört. Vor allem interessierten uns die Erfahrungen und Ansichten der Keynote Speaker auf Bühne 1.

 

Wie der kulturelle Wandel gelingen kann

Der Tenor – soviel gleich vorneweg – ist eindeutig: Technologie ist lediglich ein Mittel zum Zweck. Tiefgreifende Veränderungen sind vor allem in der Unternehmenskultur zu bewältigen. Denn starre Hierarchien, langwierige Entscheidungsprozesse und Silo-Denken in Bereichen und Disziplinen, wie sie noch heute in vielen Unternehmen herrschen, sind der Tod im digitalen Zeitalter. 

„Wir waren mittendrin auch mal völlig verzweifelt, fragten uns, wie das denn jetzt alles geht.“

Dr. Roland Krieg, CIO retd. der Fraport AG

„Für den Wandel braucht es eine Unternehmenskultur der Freude an der Veränderung“, erklärt Dr. Roland Krieg, CIO retd. der Fraport AG. Anhand der drei Praxisbeispiele „Realtime predective analysis“, „Online Handelsplattform mit Loyalitätsprogramm“ und „Open Data Hackatons“ erläutert er, wie Fraport als Player in der konservativen Logistik-Branche, die Reise zur digitalen Organisation anging. Dabei räumt er ein, dass es durchaus Probleme gab.: „Wir waren mittendrin auch mal völlig verzweifelt, fragten uns, wie das denn jetzt alles geht“. Seine Ausführungen enden mit einem Appel an die Verantwortlichen in den Betrieben: „Bringt Menschen nicht nach Hierarchien, Organisationsformen oder Generationen zusammen, sondern nach Freude und Neugier – für einen laufenden Austausch.“

„Wenn du glaubst, du bist radikal, ist es gerade richtig.“

Stefan Hentschel, Industry Leader, Google Germany

Auch Stefan Hentschel, Industry Leader bei Google Germany, empfiehlt dringend den Perspektivenwechsel und warnt davor, sich auf den Erfolgen von heute auszuruhen: „Es reicht nicht mehr einzelne Prozesse anzupassen, sondern die gesamte Organisation muss sich auf den Kopf stellen.“ Wie schnell ein Start-up mit der richtigen IT und starkem Kundenfokus einen Markt neu definiert und selbst globale Busunternehmen wie Greyhound oder Megabus das Fürchten lehrt, beweist die Flixbus-Story. Der Erfolg des jungen Mobilitätsanbieters ist umso bemerkenswerter, da der Markt für Fernbusreisen bis 2013 als unattraktiv, hoch reguliert und hart umkämpft galt. Mit weiteren Beispielen und Ermutigungen zum Wandeln redet Hentschel den Besuchern eindringlich ins Gewissen. „Wenn du glaubst, du bist radikal, ist es gerade richtig“, versichert er und empfiehlt neben dem konsequenten Wandel in der Unternehmenskultur die Methode „Pretotyping“ als risikoarmen, schnellen Chancen-Check für neue Produktideen. Mehr zum Thema Pretotyping: The Pretotyping Manifesto - Stanford Graduate School of Business.

Dr. Roland Krieg berichtet über den Weg des Fraport Konzerns zu einer digitalen Organisation.

Dr. Roland Krieg, CIO retd. der Fraport AG, über den Weg zu einer digitalen Organisation. (Foto: mangler+noller)

Die Viessmann Gruppe startete ihren Weg der Digitalisierung mit einer Roadmap. Dr. Markus Pfuhl, Chief Digital Officer: „Wir haben uns gefragt, was uns antreibt, in welchem Kontext wie z.B. Energiewende, Zeitmangel, Mobilität, Künstliche Intelligenz, etc. wir mit unseren Lösungen unterwegs sind und ein klares Ziel für die digitale Strategie definiert: Wir wollen die Lebensräume der Zukunft gestalten.“ Er rät Unternehmen, die Digitalsierungsstrategie nicht auf der IT aufzubauen, sondern vielmehr als permanenten, ganzheitlichen Prozess. Bei Viessmann besteht dieser aus den vier Schritten: Awareness, Enablement, Execution und Institutionalisation. Jeder Schritt beinhaltet verschiedene Fragestellungen, Zieldefinitionen und Umsetzungsmaßnahmen, die Mitarbeiter involvieren und die Transformation beschleunigen helfen. „Unternehmen müssen ihre Prozesse neu denken. Was wir brauchen, ist eine Strategie, die in der digitalen Welt funktioniert.“

 

Unser Fazit

Fünf Bühnen, viele Aussteller und jede Menge Vorträge sowie Workshops zu den verschiedensten Aspekten der digitalen Transformation. Der Digital Future Congress lohnt für alle, die sich einen Überblick über die Themen und regionale Lösungsanbieter verschaffen wollen und den Austausch mit anderen Unternehmen suchen. Für uns am Wertvollsten: die Vorträge der Keynote-Speaker. Sie zeigten auf, dass Digitalisierung nicht nur ein Thema der IT ist, sondern vor allem eine Frage der Kultur. Der Weg zu neuen Entwicklungen braucht Transparenz, Empathie, Kreativität und soziale Intelligenz. Im Klartext: Bereichsübergreifendes Miteinander statt abgegrenzter Abteilungsdenke. 

 

Nächste DFC-Termine:
05.11.2019 in Essen, Messe Halle 8
28.05.2020 in München, MOC Halle 4

 

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